So nun ist es mal wieder so weit, dass es mich einfach juckt wieder alles aufschreiben zu müssen. Und so, wie es auch die letzten Male der Fall war, ist es entweder der Grund zu schreiben, dass man sich unglaublich gut fühlt oder es einem einfach nur schlecht geht. Im Gegensatz zu den früheren Schreibereien sollte es mir eigentlich sehr gut gehen und der ausschlaggebende Grund ist aber einer der mich einfach nur traurig macht.
Vor einer Woche hatte ich meinen letzten Arbeitstag bei Coface in Mainz.
Mit Sebastian bin ich zum 01.02.2010 nach Kraiburg am Inn (Bayern) gezogen. Und zack, habe ich mein Leben wieder einmal um 500 Kilometer verlegt. An sich ja eine schöne Sache. Zumal ich seit dem auch keine eigene Wohnung mehr in Mainz hatte und mich überhaupt riesig auf etwas Neues gefreut habe.
Alles Neu:
Neue Gegend – sehr ruhig :o)
Neue Wohnung – 110 qm²
Neue Arbeit – sogar als Abteilungsleiterin
Eigentlich alles super.
Aber.
Inzwischen sind es bis zu meinen Eltern und Großeltern 915 Kilometer.
Somit kommen wir also zu meinem eigentlichen Beweggrund hier mal wieder alles nieder zu schreiben:
Pünktlich zu meinem endgültigen umziehen kam der Anruf meiner Eltern, dass meine Oma ins Krankenhaus gekommen sei weil sie operiert werden sollte. Keine große Sache. Soweit so gut. Alles glatt gelaufen – die Omi wieder zu Hause beim Opi.
Ein paar Tage später geht die Omi wieder zum Arzt, welche sie mit Verdacht auf Trombose ins Krankenhaus schickt. Das Krankenhaus schickt Omi wieder nach Hause mit der Aussage, sie habe nichts. Am nächsten Tag geht Omi also wieder zum Arzt. Der Arzt schickt Omi nun in ein anderes Krankenhaus. Omi wird im Krankenhaus behalten, damit Trombose geheilt werden kann. 2 Tage später – heute – bekomme ich dann den Anruf meines Papas der mir mitteilt, dass Omi wahrscheinlich einen Tumor hat und dieser wohl auch schon gestreut hat – so wie es aussieht.
Omi wird nun die nächsten Tage weiter ordentlich in Augenschein genommen, damit man ihr helfen kann und ordentlich feststellt, was sie denn nun eigentlich hat.
Und nun kommen wir zur Gewissensfrage.
Ich habe gerade Resturlaub bevor ich in der neuen Firma anfange.
Muss mich eigentlich auf meine neue Arbeit vorbereiten.
Bekomme frühestens in einem halben Jahr wieder Urlaub.
Habe meine Großeltern das letzte Mal am 1. Advent gesehen.
Was nun?
Hinfahren die 900 Kilometer obwohl ich sowieso nichts ändern kann?
Aber wer weiß wie es weiter geht? Und jetzt habe ich ja noch die Möglichkeit hoch zu fahren.
Bin etwas überfragt.
Nebenan im Wohnzimmer sitzt Sebastian und schaut mit den Kindern (Hanna, Aisha und Selina) Film.
Alles scheint so wie es soll.
Aber ich habe das Gefühl, dass alles Glück was ich gerade habe und erhalte bei anderen einbricht.
Warum?
Und ist das Leben wirklich so berechnend im Gegensatz des Gegenübers?
Warum scheint es so, also wäre einem ein reines Glück nicht vergönnt?
Und wer kann mir Antwort darauf geben?
Heute Morgen habe ich noch rumgezickt, weil ich der Meinung war, dass sich Sebastian nicht genug um mich kümmert im Bett. Und nun belächle ich mich selbst, weil ich meine Familie dagegenhalte und mich Frage, wie ich die Prioritäten in meinem Leben und so versetzen konnte? Wieso erscheint mir eine solche Nichtigkeit plötzlich so wichtig, wo ich doch scheinbar gerade alles habe, was ich immer wollte. Eigentlich sollte ich glücklich sein. Eigentlich.
Eigentlich hätte ich einen unglaublich glücklichen Tag haben sollen bis der Anruf meines Vaters kam.
Eigentlich sollten wir heute 20 Grad haben. Der bislang beste Tag der Woche. Und tatsächlich war es bewölkt, kühl und eklig.
Gibt es über uns vielleicht doch jemanden?
Meine persönliche Vermutung ist ja, dass es wirklich jemanden gibt.
Keinen Gott im eigentlichen Sinne.
Jemand der dir mal Nahe gestanden hat. Jemand der Dich kennt. Der es gut mit Dir meint. Jemand der von einem gegangen ist und dem nun nicht mehr geblieben ist, außer Dich von oben zu beobachten und auf Dich aufzupassen.
Ein ganz persönlicher Schutzengel sozusagen. Kann das sein?
Ich denke, dass es bei mir mein Opa ist.
Der Opi, der mir beruflich immer zur Seite gestanden hat. Mir alles ermöglicht hat – jeden noch so großen beruflichen Sprung wo ich selbst immer wieder erstaunt war, dass diese Sprünge in mir stecken.
Warum ist mein Leben gerade so perfekt und ich fühle mich so schlecht gegenüber meiner Familie? Warum?
