Donnerstag, 18 Uhr –
Und es geht mir außerordentlich gut.
Mit einem riesen Lächeln mache ich mich nach einem erfolgreichen Arbeitstag auf den Weg zu meinem Auto, sammel meinen ehemaligen Tanzfreund noch ein und mache mich mit ihm zusammen auf den Weg zu unserer Badmintonrunde.
Wir haben Spaß. Sau viel Spaß. Und so, wie es den ganzen Tag schon war, lache ich viel und mache albere mit meinen drei Männern herum, die ich hier unten gleich zu Beginn kennen gelernt habe.
Wolle ist Mitte 30. Der charmante Kollege, mit dem man auch mal gern was trinken geht.
Wolle zieht in die Schweiz. Im Februar.
Wie gut, dass sie mir das erst nach 1 ½ Stunden mitgeteilt haben, so dass die Konzentration eh langsam nach lies.
Es stört mich nicht, dass er weggehen will. Schließlich war es nur eine Frage der Zeit möchte ich behaupten. Er ist so ein unruhiger Mensch, der hier eigentlich nur auf der Durchreise war. Ein lieber Mensch, der mir den Einstieg hier enorm erleichtert hat.
Und dennoch reißt es mir gerade an diesem Abend den Boden unter den Füßen weg.
So toll mein Hoch auch war so perfekt stecke ich an diesem Abend in meinem Tief.
Wieder geht jemand weg. Und wieder habe ich das Gefühl, dass ich gar nicht so schnell so tolle Menschen kennen lernen kann, wie sie wieder verschwinden.
Den Reise- und Entwicklungszwang kann ich zwar nachvollziehen, schaffe es aber nicht mir selbst gerade klar zu machen, dass es auch vollkommen „ok“ ist, dass ich einfach nur hier sein möchte. Dass es in Ordnung ist, dass ich hier angekommen bin und es der absolute Blödsinn ist zu denken, dass ich gerade still stehe und nicht weiter komme.
Seit 1 ½ Jahren bin ich nun schon fast in Wiesbaden.
Es ist so unglaublich schnell vergangen. Und mom. bin ich beim Überlegen, was ich will.
Will ich hier bleiben?
Oder wo will ich hin?
Wie sehr lasse ich meine Umgebung, meine Mitmenschen, in meine Entscheidung mit einfließen und wie gut oder schlecht ist das?
Ich bin glücklich hier. Punkt.
Es ist nicht immer einfach. Aber das wäre es wo anders auch nicht.
Ich baue mir immer mehr auf.
Die Freundschaften werden inzwischen intensiver. Ich werde gelöster.
Eigentlich ist alles toll.
Eigentlich.
Irgendwas in mir möchte wieder „nach Hause“.
Ich kann gar nicht erklären, was es genau ist.
Die Sehnsucht nach den Freunden, nach der alten Heimat, nach der Ostsee, nach meinen Eltern, Großeltern?! Danach zu sehen wie mein Bruder sich entwickelt hat?! Danach morgens auch mal mit meinen Eltern frühstücken zu können und Stunden lang zu reden?!
Danach Abends mit den alten Freunden einfach was Trinken zu gehen und man immer was zu erzählen und zu lästern hatte?!
Danach, dass man sich immer zu Hause gefühlt hat?!
Aber damals war ich nicht glücklich damit.
Könnte ich es diesmal werden? Oder würde mir etwas fehlen?
Ich denke, dass der Zug in die alte Heimat abgefahren ist. Ich würde den Anschluss nicht mehr finden. Würde nicht mehr glücklich sein können mit meinen Erfahrungen die ich gemacht habe, weil niemand mit mir fühlen könnte, weil niemand verstehen würde warum ich ich bin.
Ich warte schon darauf, dass ich mir in den 1 bis 2 Wochen Lübeck Aufenthalt anhören darf wie ich mich verändert habe.
Ich sehe jetzt schon die Blicke meiner damaligen Freunde bezüglich des dunklen Lippenstiftes. Der blond aufgeföhnten Haare.
Ich weiß jetzt schon, dass es die einen toll finden werden und die anderen mich fragen werden, wie ich darauf komme mich so zu kleiden und mich so zu schminken, wo ich doch früher das ganze eher sehr dezent gehalten habe.
Schade, dass man das so vorhersehen kann. Schade, dass ich mir jetzt schon denke „wieso haben wir uns so lange nicht gesehen? Wieso habt ihr die Entwicklung nicht mitbekommen? Und wieso traut ihr Euch mir solche Dinge zu sagen? Würde ich mich hinstellen und euch fragen, wieso seit Ihr stehen geblieben? Wieso muss ich mich zusammenreißen und kann nicht begeisternd von meinem Job und meinem Leben berichten? Wieso ist es soweit gekommen, dass zwischen uns mehr als 600 km eingezogen sind?“
Nein, ich denke nicht nur vor. Ich denke auch darüber nach, was war.
Ich kenne diese Menschen und Reaktionen.
Ich habe diese Menschen geachtet und geliebt. Tue es heute noch.
Aber ich hasse mich dafür, dass ich eine Entwicklung gemacht habe, die diese Menschen weder verstehen noch nachvollziehen können. Dass ich diejenige bin, die es geschafft hat aus dem alten Leben auszubrechen und dass ich auch diejenige bin, die es nicht geschafft hat, die Balance zwischen Alten und Neuem zu halten.
Ich bin abgeschweift. Aber manchmal muss das sein.
Ich bleibe hier. Basta.
Ich bin glücklich.
Und das Menschen kommen und gehen ist vollkommen normal im Leben.
Nicht nur in meinem ;)
Nur manchmal hat man halt das Gefühl kein anderer macht das mit, was man selbst durchlebt ;)
Wie auch immer...
Heute Abend wartet eine ganz liebe Katze auf mich, auf die ich die nächsten 1 ½ Wochen aufpassen werde. Es ist also jemand da, der mich kuschelt. Wenn das nichts ist, weiß ich auch nicht ;)
Euch allen noch einen schönen Abend und einen schönen Start ins Wochenende!
- Sprünge
PS: meine privaten Einträge mom. beruhen auf positiven Geschehnissen in meinem Leben. Manchmal fehlen einem halt auch die Worte, weil man sein Glück nicht fassen kann ;)
Freitag, 16. November 2007
Einem Tag voller Lachen, folgen Tränen... (Omi`s Worte)
Eingestellt von
Sprünge
um
17:32:00
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